Portrait Juxushimmel


Sie sind von einem anderen Stern: „Wir sind Ausserirdische und irgendwann in Karlsruhe gelandet.“ Aber nicht wegen der Nähe zu Frankreich, wie sie betonen, dem guten Essen und dem guten Wein: „Das ist eher hinderlich für unsere Arbeit.“ Es war das Karlsruher Freimaurertum, das sie anlockte: „Wir wollten diese eher handwerklich orientierten Rituale ergänzen mit unserem von Klebstoff und Tesafilm geprägten Hobbykünstlertum.“

Man darf den Mitgliedern vom Elaboratorium „Juxushimmel“ nicht alles glauben: „Wir erzählen nie die Wahrheit. Manche von uns versuchen es, aber es gelingt ihnen nicht.“ Aber auch dieses Statement ist mit Vorsicht zu genießen und kann schon wieder ein hemmungsloses „Juxus-Spiel“ sein. Denn es ist diese grenzenlose Mischung aus Erfundenem und Wahrhaftigem, die die Elaborateure interessiert: Dieses Gebräu aus abenteuerlichen Geschichten, Kuriositäten und Fabulierkunst mit einem Schuss Wahrheit. Die aber von zügelloser Parodie so umrankt und umschlungen ist, verzerrt und verfremdet von verwegenen Tollkühnheiten, dass sie kaum mehr erkennbar ist. Aber man lasse sich nicht täuschen: Sie ist da.

Vor rund 10 Jahren haben sich die ersten „Juxushimmlischen“ zusammengetan und in kleinen Gruppen, zu zweit oder zu dritt, Performances aufgeführt. Aber nicht in Karlsruhe, die Stadt war mehr ihr Basislager und ihre Ideenschmiede. Sondern auswärts, in Wien, Köln. Berlin und Schifferstadt. Im Jahr 2000 haben sie dann das erste Mal in der Orgelfabrik getobt, und seit letztem Sommer haben die Akteure in der Oststadt, am Künstlerhaus 20 , einen kleinen Spielort. Dort veranstalten sie ein geballtes Frühlings- und Herbstprogramm, zu dem auch immer viele Gastkünstler eingeladen werden: Lieder- und Musikabende folgen auf Lesungen und Diskussionsrunden, dazwischen werden kurze, maximal fünftägige Ausstellungen gezeigt: Häufig bevorzugen sie Nichtkünstler, die sich noch keinem Kunstdiktat unterworfen haben, noch authentisch sind: „Um den Blick zu verfeinern“. 
 
Damals wie heute sind die Auftritte des achtköpfigen losen Teams vom aktionskünstlerischen Fluxus und dem Dada beeinflusst: „Unser Konzept ist offen, aber wir machen keinen Blödsinn und keinen Mainstream.“ Doch zügellos und wild können ihre szenischen Geschichten, die sich grenzensprengend bei den unterschiedlichsten Kunstrichtungen bedienen, durchaus sein. Geprobt wird auch nicht: Jeder macht sich in seinem stillen Kämmerlein Gedanken über ein beschlossenes Thema und während der Aktion wird improvisiert und experimentiert. Diese Kunstinitiative ist aber nicht nur eine „Forschungsstelle für performative Handlungen, sondern auch ein Vereinsheim“, wo Dias vom letzten Urlaub gezeigt werden, Karten gespielt 
und diskutiert wird , 


text: susanne marschall